BiowasserstoffEreignis
IEA Global Hydrogen Review 2023: Nachfrage 95 Mt, kohlenstoffarmer Wasserstoff weiterhin unter 1 Mt
Im September 2023 veröffentlichte die IEA die Global Hydrogen Review 2023. Die weltweite Wasserstoffnachfrage lag 2022 bei etwa 95 Mt, und die kohlenstoffarme Produktion ist weiterhin sehr gering.

Die Internationale Energieagentur veröffentlichte im September 2023 die jährliche Übersicht über den Wasserstoffmarkt. Dem Bericht zufolge lag die weltweite Wasserstoffnachfrage 2022 bei etwa 95 Mio. Tonnen, also knapp 3% mehr als im Vorjahr, und fast der gesamte Wasserstoff wird aus fossilen Brennstoffen erzeugt. Die kohlenstoffarme Produktion – aus Elektrolyse mit erneuerbarer Energie oder aus Gas mit CO₂-Abscheidung – bleibt unter 1 Mio. Tonnen. Angekündigte Projekte könnten sie bis 2030 auf einige Dutzend Millionen Tonnen steigern, doch die meisten davon befinden sich in einem frühen Stadium.
Was sich ändert
Der Bericht zeigt eine Kluft zwischen Ambitionen und Umsetzung. Regierungen haben Strategien und Ziele angekündigt, doch nur ein Teil der Projekte hat gesicherte Finanzierung und Abnehmer. Die größte Nachfrage erzeugen Raffinerien und die chemische Industrie (Ammoniak, Methanol), während neue Anwendungen – Stahl, Schwerlastverkehr, Schifffahrt – erst in der Pilotphase sind. Die Agentur weist auf die Rolle der Regulierung hin: Auktionen, Differenzverträge, Zertifizierungsstandards und Vorgaben zur Nutzung von kohlenstoffarmem Wasserstoff in der Industrie.
Mit Blick auf Europa stellt der Bericht fest, dass die EU eines der umfangreichsten Regelwerke für Wasserstoff verabschiedet hat, darunter die Regeln für RFNBO-Kraftstoffe und den Plan der Europäischen Wasserstoffbank.
Bedeutung für die Branche in Polen
Für Polen, einen der größten Wasserstoffproduzenten der EU (überwiegend grauen, aus Erdgas), ist der Bericht ein Hinweis darauf, dass die Transformation sowohl Technologie als auch Nachfrage erfordert. Für die Biogasbranche ergeben sich daraus zwei Schlussfolgerungen. Erstens kann Wasserstoff aus Biomasse und Biogas eine Ergänzung des Marktes sein, doch seine Rolle hängt von Kosten und Nachhaltigkeitskriterien ab. Zweitens wird die gemeinsame Infrastruktur – Gasnetze, Speicher, Qualitätsstandards – bei der Beimischung von Wasserstoff und Biomethan Koordination erfordern.
Die Entwicklung von Wasserstoff wirkt sich auch auf den Biomethanmarkt aus: Beide Gase konkurrieren um Netzzugang und Mittel, können sich aber gegenseitig ergänzen, z. B. bei der Methanisierung von CO₂.
Worauf zu achten ist
Bei der Analyse von Projekten sollte zwischen fossilem, kohlenstoffarmem und erneuerbarem Wasserstoff unterschieden werden, denn von der Klassifizierung hängen Förderung und Zertifizierungspflichten ab. Zudem lohnt es sich zu prüfen, ob die berichteten „Ankündigungen“ eine gesicherte Finanzierung haben.
Warum die Zahlen aus dem Bericht mit Vorsicht zu lesen sind
Projektankündigungen sind keine Investitionsentscheidungen. In vielen Ländern ist das Portfolio angekündigter Investitionen um ein Vielfaches größer als das, was tatsächlich gesicherte Finanzierung und Abnehmer hat. Für den Wasserstoffmarkt bedeutet dies das Risiko von Verzögerungen und Planrevisionen. Die Biogasbranche, die bereits laufende Anlagen und gut bekannte Technologien hat, kann in diesem Kontext einen Vorteil in Form fertiger, berechenbarer Quellen für erneuerbares Gas aufzeigen.
Wie es weitergeht
Die IEA wird die Umsetzung der Projekte und die Entwicklung der Politiken überwachen. Für die EU werden die ersten Auktionen der Europäischen Wasserstoffbank und die endgültigen Vorschriften des Gas- und Wasserstoffpakets entscheidend sein.




