Emissionen und KlimaAnalyse
Methanemissionen aus Biogasanlagen: woher sie kommen und wie hoch die Verluste sind
Methan entweicht aus Biogasanlagen über Sicherheitsventile, Membranen, offene Gärrestbehälter, CHP-Motoren und Abgas. Wir behandeln die Quellen, die Verlustbereiche aus Messkampagnen und Möglichkeiten zur Begrenzung.

Die Biogasanlage ist eines der Werkzeuge zur Minderung von Methanemissionen, kann aber selbst Methan emittieren, wenn sie undicht ist oder schlecht betrieben wird. Zu den Hauptquellen gehören: Gärrestbehälter (vor allem offene), Sicherheits- und Überdruckventile von Fermentern und Gasspeichern, undichte Verbindungen und Armaturen, unverbranntes Methan im Abgas von CHP-Motoren, Abgas aus der Aufbereitung sowie Service- und Störfallvorgänge. In Europa durchgeführte Messkampagnen weisen auf eine große Streuung der Verluste hin – von Bruchteilen eines Prozents bis zu über zehn Prozent des erzeugten Methans –, wobei ein erheblicher Teil der Emissionen aus wenigen Punkten stammt, die sich nach der Entdeckung schnell beheben lassen.
Emissionsquellen
| Quelle | Mechanismus | Minderungsmöglichkeit |
|---|---|---|
| Gärrest in offenen Behältern | restliche Methanbildung nach dem Verlassen des Fermenters | dichte Abdeckung mit Gasrückgewinnung, längere Verweilzeit |
| Überdruck- und Unterdruckventile | Öffnen bei zu hohem Druck (Überdruckventil) oder zu niedrigem (Unterdruckventil) | Notfackel, Gasspeicher mit angemessenem Volumen, Automatisierung |
| Membranen von Dächern und Gasspeichern | Mikroleckagen, Beschädigungen | Inspektionen, Austausch |
| Undichtigkeiten von Armaturen, Rohren, Verdichtern | Verschleiß der Dichtungen, Korrosion | LDAR, Austausch der Dichtungen |
| CHP-Abgas | unverbranntes Methan (sog. Methanschlupf) | Motorwahl, katalytischer Oxidator |
| Abgas aus der Aufbereitung | Methanschlupf | Nachverbrennung, Technologiewahl |
| Be-/Entladen, Service | Entlüftung, Öffnen von Geräten | Verfahren, Gasrückgewinnung |
Was Messungen zeigen
Berichte und Untersuchungen (u. a. Arbeiten im Rahmen von IEA Bioenergy Task 37 sowie Kampagnen in Dänemark, Deutschland, Schweden und anderen Ländern) bestätigen, dass:
- die Methanverluste ungleichmäßig verteilt sind: Viele Anlagen haben geringe Verluste, eine kleine Gruppe – sehr hohe;
- die größten Einzelemissionen aus Entlüftungen, Membranschäden und offenen Gärresten stammen;
- bei landwirtschaftlichen Anlagen die Mittelwerte in Veröffentlichungen in der Regel im Bereich von etwa 1 % bis zu einigen Prozent der Methanproduktion liegen und die Spanne zwischen den Anlagen sehr groß ist;
- Fernmessungen (z. B. mit der Tracergas-Methode oder durch Fahnenanalyse) die Gesamtleckage gut erfassen, Kontaktmessungen dagegen die Punktquellen.
Die genauen Zahlen hängen von Land, Technologie und Messzeitraum ab, daher sind in eigenen Analysen Daten aus konkreten Kampagnen zu verwenden, nicht Verallgemeinerungen.
Berechnungsbeispiel
Annahmen: Die Biogasanlage erzeugt jährlich 2,2 Mio. m³ Methan. Gesamtverluste von 3 % bedeuten 66.000 m³ CH₄, d. h. ca. 47 t. Bei GWP₁₀₀ = 28 sind das ca. 1325 t CO₂e pro Jahr (bei GWP₂₀ = 84 – ca. 3970 t CO₂e). Energetisch: 660 MWh pro Jahr (10 kWh/m³), und bei einem angenommenen Preis von 200 PLN/MWh – 132.000 PLN entgangener Erlös. Stammen 70 % dieser Verluste aus einem undichten Ventil und einem offenen Behälter, senkt ihre Behebung die Verluste auf ca. 0,9 % und spart ca. 92.000 PLN pro Jahr. Ob sich das lohnt, ist individuell zu beurteilen, indem die Kosten für die Abdeckung des Behälters und den Austausch des Ventils mit dem Wert der vermiedenen Verluste verglichen werden.
Wie sich die Emissionen begrenzen lassen
- Dichte Abdeckung der Gärrestbehälter und deren Anschluss an das Gassystem.
- Notfackel und Gasspeicher mit großem Volumen, damit es nicht zu Entlüftungen kommt.
- Inspektionen und LDAR: regelmäßige Erkennung von Undichtigkeiten mit Detektor oder optischer Kamera und deren Behebung.
- Katalytische Oxidation von Methan im CHP-Abgas dort, wo die Werte hoch sind.
- Nachverbrennung des Abgases aus der Aufbereitung.
- Betriebsverfahren: Anfahren, Abfahren, Filterwechsel, sodass die Entlüftung begrenzt wird.
- Schulung des Personals und Qualitätskontrolle der Reparaturen.
Einfluss auf die THG-Bilanz
Die Methanleckage geht in die Emissionsbilanz von Biomethan oder Energie aus Biogas ein und kann über die Erfüllung der Minderungsschwelle in der RED entscheiden. Geringe Verluste (Bruchteile eines Prozents) ändern die Bewertung in der Regel nicht, doch Verluste von einigen Prozent können die Minderung spürbar verringern. Deshalb dokumentieren Produzenten die Verluste immer häufiger durch Messungen.
Rolle von Planung und Abnahme der Anlage
Die meisten Leckageprobleme lassen sich bereits in der Planungsphase begrenzen: angemessene Größe des Gasspeichers, Fackel mit ausreichender Leistung, Ventile mit der Möglichkeit der Ableitung zur Fackel statt in die Atmosphäre, dichte Abdeckungen und Zugang zu Kontrollpunkten. Bei der Abnahme der Anlage empfiehlt es sich, Dichtheitsprüfungen und eine Inspektion mit der optischen Kamera zu verlangen und im Servicevertrag regelmäßige Kontrollen festzuhalten. Eine erste Leckagemessung nach der Inbetriebnahme dient als Bezugspunkt für spätere Vergleiche.
Warum sich Messungen lohnen
Anlagen, die die Verluste messen, verringern sie in der Regel – das Wissen, wo das Methan entweicht, ermöglicht es, Prioritäten bei den Reparaturen zu setzen. Zusätzlich verbessert eine verlässliche Dokumentation die Position bei der Zertifizierung und in Gesprächen mit der Bank oder dem Gasabnehmer.
Zusammenfassung
Methanemissionen aus Biogasanlagen sind ein technisches Problem, das sich mit geringen Investitionen und guter Praxis deutlich begrenzen lässt. Die beste Strategie ist die Kombination aus dichter Konstruktion, systematischen Messungen und schnellen Reparaturen.




