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Dänemark: grünes Gas im Netz, Gülle und Biomethan als Vorbild für die Landwirtschaft
Dänemark hat einen der höchsten Anteile von Biogas und Biomethan im Gasnetz Europas, der zu einem großen Teil auf Gülle beruht. Wir behandeln die Rolle der Förderung, der Landwirtschaft und des Netzbetreibers Energinet sowie die Schlussfolgerungen für Polen.

Dänemark ist eines der Länder mit dem höchsten Anteil erneuerbaren Gases im Gasnetz in Europa: Nach den vom Systembetreiber Energinet veröffentlichten Daten macht Biomethan (aufbereitetes Biogas) in den letzten Jahren mehr als ein Drittel des im Netz verbrauchten Gases aus, und das Wachstum verlief nach 2012 sehr schnell. Ein bedeutender Teil der Rohstoffe sind Gülle und Mist aus der intensiven Tierhaltung, ergänzt durch Reststoffe aus Landwirtschaft und Verarbeitung. Das dänische Beispiel ist für Polen aus zwei Gründen wichtig: Es zeigt, wie sich Biogas von der Strom- und Wärmeerzeugung hin zu Biomethan verlagern lässt und wie sich das Wirtschaftsdüngermanagement mit Energie und Klima verknüpfen lässt. Die genauen Werte (Anteil, Volumen) ändern sich, daher geben wir sie als Größenordnung an und verweisen auf die Statistiken von Energinet.
Woher diese Entwicklung kommt
- Änderung des Fördersystems. Die dänischen Energieabkommen vom Anfang des vorigen Jahrzehnts veränderten die Anreize: Die Förderung für Biogas wurde auf die Einspeisung von Biomethan ins Netz und die Nutzung in Wärmeversorgung, Industrie und Verkehr ausgerichtet statt auf die Stromerzeugung. Der Mechanismus beruhte auf Zuschlägen je Energieeinheit, die später u. a. an die Beihilfevorschriften und an Auktionen angepasst wurden.
- Dichtes Gasnetz und ein an der Integration interessierter Betreiber. Energinet veröffentlicht Daten zum Anteil erneuerbaren Gases und führt ein Register der Herkunftsnachweise für Gas.
- Struktur der Landwirtschaft. Große Tierhaltungsbetriebe mit erheblichen Mengen an Wirtschaftsdünger bilden eine natürliche Rohstoffbasis. Gemeinschaftsbiogasanlagen sammeln Gülle von vielen Betrieben ein und liefern den Gärrest zurück.
- Klimaziele. Die Verringerung der Emissionen aus Landwirtschaft und Energiewirtschaft ist Teil der Politik, und Biogas wird mit den Zielen für Methan und N₂O verknüpft.
- Export und Handel. Erneuerbares Gas aus Dänemark kann in das angeschlossene deutsche Netz gelangen, und Herkunftsnachweise werden gehandelt.
Modell: Gülle als Basisrohstoff
Gülle hat je Tonne Frischmasse ein niedriges Biogaspotenzial, da sie mit Wasser verdünnt ist; daher setzen dänische Anlagen häufig Kosubstrate zu (Reststoffe aus der Verarbeitung, Stroh, Zwischenfrüchte) und nutzen die Separation des Gärrests. Zugleich bringt Gülle dank der Gutschrift für vermiedene Methanemissionen aus der Lagerung einen günstigen Treibhausgasbilanz. Das erfordert jedoch Logistik: den Transport großer Volumina und die Rückführung des Gärrests an die Betriebe.
Rechenbeispiel (zur Veranschaulichung)
Annahmen: Eine Gemeinschaftsbiogasanlage verarbeitet jährlich 150.000 t Gülle und 30.000 t Kosubstrate. Bei einem angenommenen Ertrag von 20 m³ Biogas/t aus Gülle und 120 m³/t aus Kosubstraten: 3,0 Mio. + 3,6 Mio. = 6,6 Mio. m³ Biogas pro Jahr, was bei 58% CH₄ ca. 3,8 Mio. m³ Methan ergibt, d. h. ca. 38 GWh. Aus Gülle stammen nur ca. 45% des Biogases, obwohl sie 83% der Masse ausmacht – das veranschaulicht, warum Kosubstrate wirtschaftlich wichtig sind. Die vermiedenen Emissionen aus der Lagerung hängen von Temperatur und Dauer ab; bei angenommenen 3 kg CH₄ je m³ Gülle sind das 450 t CH₄ (ca. 12.600 t CO₂e bei GWP₁₀₀ = 28) – ein zusätzlicher Klimawert, den die RED-Methodik über die Gutschrift für Wirtschaftsdünger anrechnet.
Herausforderungen
- Konkurrenz um Kosubstrate und Beschränkungen für Energiepflanzen,
- Verwertung des Gärrests unter Stickstoffgrenzwerten,
- Abhängigkeit vom Fördersystem und seinen Änderungen,
- Transport- und Logistikkosten,
- Geruchsbelästigung und lokale Akzeptanz.
Schlussfolgerungen für Polen
- Gülle und Mist sind eine in großem Maßstab verfügbare Ressource, erfordern aber Gemeinschaftsanlagen und eine gute Logistik.
- Das Fördersystem sollte Biomethan und seine Anwendungen bevorzugen, wenn die Einspeisung ins Netz das Ziel ist.
- Ein Register der Herkunftsnachweise und transparente Handelsregeln erhöhen den Wert des Produkts.
- Die Verknüpfung von Energie mit dem Düngemanagement erfordert die Zusammenarbeit von Landwirten, Netzbetreibern und Verwaltung.
Die Rolle der Gärrestverwertung
Der Gärrest aus dänischen Biogasanlagen wird an die Betriebe zurückgeführt, was den Nährstoffkreislauf schließt, unterliegt aber strengen Grenzen für die Düngung mit Stickstoff und Phosphor. Deshalb nutzen viele Anlagen die Separation in eine flüssige und eine feste Fraktion: Die feste Fraktion (reich an Phosphor) kann über größere Entfernungen transportiert werden, die flüssige wird lokal ausgebracht. Die so organisierte Logistik ist eines der Schlüsselelemente der Wirtschaftlichkeit von Gemeinschaftsprojekten und sollte bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden.
Fazit
Dänemark zeigt, dass Biomethan ein dauerhafter Bestandteil des Gassystems werden kann, wenn Anreize, Infrastruktur und Landwirtschaft aufeinander abgestimmt sind. Aktuelle Zahlenangaben sollten an der Quelle geprüft werden, da sie sich von Jahr zu Jahr ändern.





