BiogasEreignis
E.ON baut die erste Biogasanlage in Polen. Anlage mit 1 MWe bei Pułtusk
E.ON Polska hat den Bau der ersten eigenen landwirtschaftlichen Biogasanlage bei Pułtusk vorangetrieben: 1 MWe, ca. 8 GWh Strom pro Jahr, die Inbetriebnahme war für Dezember 2024 geplant.

Die deutsche Gruppe E.ON, die in Polen über die Gesellschaft E.ON Polska tätig ist, baut die erste eigene landwirtschaftliche Biogasanlage im Land. Laut Informationen vom 1. Juli 2024 entsteht die Anlage mit einer Leistung von 1 MWe in der Nähe von Pułtusk in Masowien und soll jährlich etwa 8 GWh grünen Strom liefern. Das ist eines der Signale dafür, dass große Energiekonzerne in den polnischen Biogasmarkt eintreten.
Was über das Projekt bekannt ist
Die Biogasanlage wird im Dauerbetrieb arbeiten – etwa 8200 Stunden pro Jahr – über geplante 15 Jahre. Als Rohstoff sollen landwirtschaftliche Biomasse und Abfälle dienen, und der Gärrest wird als Dünger an lokale Landwirte verkauft, was laut Investor die mit dem Transport verbundenen Emissionen senkt. Die Wärme aus der Kraft-Wärme-Kopplung ist ein Nebenprodukt; in der Beschreibung wurde kein externer Abnehmer genannt.
Generalunternehmer ist die Firma Biowatt, die die Arbeiten im November 2023 aufnahm. Im Juni 2024 wurden die Kraft-Wärme-Kopplungseinheit und die Transformatorstation montiert, und alle Fermenter und Nachgärbehälter waren bereits fertiggestellt. Es blieben die Arbeiten an der Infrastruktur und der Bau der Substratannahmehalle. Die Inbetriebnahme wurde für Dezember 2024 geplant. In den ersten zwei Jahren nach dem Start wird die Anlage von Biowatt betrieben, das über mehr als zehnjährige Erfahrung und eine eigene Biogasanlage in Niederschlesien verfügt.
Warum das wichtig ist
Der Einstieg von Energiekonzernen in landwirtschaftliches Biogas – u. a. E.ON, Orlen, TotalEnergies (über die Polska Grupa Biogazowa) oder Axpo – verändert die Struktur des Marktes. Die größten Unternehmen verfügen über Zugang zu Kapital, Energiehandel und Verträgen, müssen sich aber auch an lokale Anforderungen anpassen: Verträge mit Landwirten über Substrate und Gärrest, Umweltgenehmigungen und gesellschaftliche Akzeptanz. Eine Anlage mit einer Leistung von 1 MWe liegt im Rahmen der typischen polnischen landwirtschaftlichen Biogasanlage, daher zeigt das Projekt das „klassische“ Modell: Stromerzeugung mit Kraft-Wärme-Kopplung und nicht Biomethan.
Bedeutung für die Branche in Polen
Für Technologielieferanten und Serviceunternehmen ist jeder Vertrag mit einem neuen Betreiber eine Chance auf dauerhafte Betreuung. Für Landwirte – die Möglichkeit, mehrjährige Verträge über Substrate und die Abnahme von Gärrest als Dünger abzuschließen. Aus Sicht des Energiesystems erzeugt die Anlage stabilen Strom im Bandbetrieb, was sie von Photovoltaik und Wind unterscheidet.
Man muss jedoch an die Einschränkungen denken: Die Netzanschlussbedingungen waren und bleiben eines der Haupthemmnisse für Biogasanlagen – laut der Branche wurde mitunter sogar ein erheblicher Teil der Anschlussanträge abgelehnt.
Wie es weitergeht
Dem Zeitplan zufolge soll die vollständige Inbetriebnahme im Dezember 2024 erfolgen. Es lohnt sich zu beobachten, ob die Termine eingehalten werden: Bei polnischen Biogasinvestitionen sind Verschiebungen um einige Monate häufig, vor allem wegen Netzanschlüssen und Gerätelieferungen. Für Landwirte und Substratlieferanten werden langfristige Verträge und die Abrechnungsregeln für den Gärrest wichtig sein. Für den Markt ist das Signal klar: Immer mehr große Energiekonzerne bauen eigene Anlagen und kaufen nicht nur Energie von externen Erzeugern.





