BiomethanEreignis
Polnisches Biomethan: Potenzial von bis zu 16 Mrd. m³ und Barrieren. POB-Daten von 2024
Nach Angaben des Polnischen Biomethanverbands beträgt das theoretische Biomethanpotenzial in Polen bis zu 16 Mrd. m³ pro Jahr, realistisch ca. 9 Mrd. m³. Im Jahr 2023 waren 388 Biogasanlagen und keine einzige Biomethananlage in Betrieb.

Der Polnische Biomethanverband (Polska Organizacja Biometanu, POB) schätzte im August und September 2024, dass das theoretische Biomethan-Produktionspotenzial des Landes bis zu 16 Mrd. m³ pro Jahr beträgt, wovon nach Abzug bereits genutzter Rohstoffe realistisch etwa 9 Mrd. m³ verfügbar sind. Zur gleichen Zeit waren in Polen 388 Biogasanlagen (Stand Ende 2023) und keine Biomethananlage in Betrieb. Die Diskrepanz zwischen Potenzial und tatsächlichem Stand ist das Hauptthema des Marktes.
Potenzial nach Rohstoffen
Die POB-Daten (Basisjahr 2022, bei einem durchschnittlichen Methangehalt im Biogas von ca. 60%) weisen die größten Potenziale aus bei: Stroh (knapp 8 Mrd. m³), Mist (ca. 4 Mrd. m³), Gülle (über 2 Mrd. m³), Rückständen aus der Agrar- und Lebensmittelverarbeitung (ca. 1,7 Mrd. m³), Klärschlämmen (ca. 228 Mio. m³) und Bioabfällen (über 311 Mio. m³). Derzeit werden nur wenige Prozent von Mist und Gülle in Biogasanlagen genutzt und ca. 10% der Klärschlämme. Stroh ist wegen des hohen Trockensubstanzgehalts und der nötigen langen Vergärung ein schwieriger Rohstoff. Polen verbraucht ca. 16–17 Mrd. m³ Erdgas pro Jahr, und laut einem POB-Experten könnte Biomethan diesen Verbrauch um 40–50% senken (die bloße Rechnung 9 Mrd. m³ zu 16–17 Mrd. m³ ergibt ca. 53–56%).
Marktstand und Barrieren
Ende 2023 waren in Polen 388 Biogasanlagen in Betrieb, darunter 146 landwirtschaftliche (2022: 346). Die POB-Mitglieder kündigten Investitionen von mindestens 17,5 Mrd. PLN bis 2030 und eine Produktion von etwa 2 Mrd. m³ Biomethan an. Der Verband nannte mehrere Barrieren:
- fehlende Vorschriften, die eine Entwicklung im großen Maßstab ermöglichen,
- keine Biomethanstrategie im KPEiK und in der Energiepolitik Polens bis 2040,
- kein Fördersystem für größere Anlagen,
- Probleme bei der Integration ins Gasnetz und fehlende Anreize für Verteilnetzbetreiber,
- komplizierte Umwelt- und Genehmigungsverfahren,
- unklare Regeln für kleinere Projekte,
- Ablehnung von Anschlussanträgen – laut POB bis zu etwa 70% bei Biogasanlagen für Stromnetze.
Der Verband forderte, das Ziel von 2 Mrd. m³ im Jahr 2030 im KPEiK zu berücksichtigen, einen festen Abnahmepreis für Anlagen über 1 MW sowie Förderung für Biomethan, das in verdichteter oder verflüssigter Form transportiert wird.
Bedeutung für die Branche in Polen
Die Daten zeigen, dass nicht der Rohstoff, sondern Regulierung und Infrastruktur das Entwicklungstempo bestimmen. Für Investoren bedeutet dies, dass sie parallel Gespräche mit dem Netzbetreiber führen, Substratverträge abstimmen und an einem Finanzmodell arbeiten müssen, das die künftige Förderung berücksichtigt.
Wie es weitergeht
Der Branchenverband erwartet vom Ministerium einen Entwurf eines Fördersystems für Anlagen über 1 MW sowie die Berücksichtigung des Biomethanziels im KPEiK. In den kommenden Monaten werden die Konsultationen zum Programm des Nationalen Fonds für Umweltschutz und Wasserwirtschaft (NFOŚiGW, bis zu 4 Mrd. PLN) und die Arbeiten an der Novelle des Gesetzes über erneuerbare Energiequellen (ustawa o OZE) wichtig sein. Investoren sollten Rohstoffverträge und Anschlussbedingungen absichern, denn diese beiden Elemente entscheiden darüber, welche der angekündigten Projekte tatsächlich entstehen.





