Emissionen und KlimaEreignis
COP27: Methan weit oben auf der Agenda. EPA verschärft Vorschriften, UNEP startet Frühwarnsystem
Auf dem Klimagipfel COP27 in Scharm El-Scheich war Methan eines der Hauptthemen. Am 11. November schlug die amerikanische EPA verschärfte Methanvorschriften vor, und das UNEP startete ein System zur Erkennung von Lecks.

Die Klimakonferenz COP27, die seit dem 6. November 2022 in Scharm El-Scheich stattfindet, bot Gelegenheit, neue Maßnahmen zur Begrenzung der Methanemissionen vorzustellen. Führende Regierungen und Organisationen erinnerten an die Initiative Global Methane Pledge, die auf der COP26 von den USA und der Europäischen Union gestartet wurde und deren Ziel es ist, die weltweiten Methanemissionen bis 2030 gegenüber 2020 um 30% zu senken. Für die Biogasbranche ist das ein wichtiger Kontext: Methan aus Landwirtschaft, Abfällen und Deponien gehört zu den am günstigsten zu mindernden.
Was sich ändert
Zwei Ereignisse am Rande der Konferenz hatten praktische Bedeutung. Erstens schlug die amerikanische Umweltschutzbehörde (EPA) am 11. November 2022 verschärfte Vorschriften für Methanemissionen aus dem Öl- und Gassektor vor, die u. a. Anforderungen an die Erkennung und Beseitigung von Undichtigkeiten sowie Beschränkungen des Abfackelns von Gas umfassen. Zweitens startete das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) das Frühwarnsystem MARS (Methane Alert and Response System), das Satellitendaten zur Erkennung großer Methanlecks nutzt und die Regierungen über Orte informiert, an denen reagiert werden muss.
Solche Werkzeuge erhöhen die Messlatte der Transparenz: Emissionen sind nicht mehr bloße Schätzungen, sondern werden messbar und überprüfbar.
Bedeutung für die Branche in Polen
Die Europäische Union ist Mitinitiatorin des Global Methane Pledge, und die EU-Verordnung zur Verringerung der Methanemissionen im Energiesektor wird derzeit verhandelt. Für Biogasanlagen und Anlagen zur Bioabfallverarbeitung sind zwei Dinge wichtig. Erstens wird Methan Gegenstand von Regulierung, sodass Standards für Messung, Lecksuche und Berichterstattung auch außerhalb des Sektors der fossilen Brennstoffe verschärft werden. Zweitens zeichnen sich Biogas und Biomethan dadurch aus, dass sie Methan aus Rohstoffen erfassen, die es sonst in die Atmosphäre abgeben würden.
Investoren sollten die Dichtheit der Anlagen im Blick behalten: Methanverluste aus Biogasspeichern, Entgasungssystemen oder Gärrestbehältern verschlechtern die Klimabilanz. Deshalb wird die Überwachung von Undichtigkeiten zu einer guten Betriebspraxis.
Warum Methan ein „Schnellschalter“ ist
Methan verbleibt deutlich kürzer in der Atmosphäre als Kohlendioxid, erwärmt das Klima aber auf einem Zeithorizont von einigen Jahrzehnten stärker. Deshalb gilt seine Begrenzung als eine der schnellsten Maßnahmen zur Verlangsamung der Erwärmung. Etwa die Hälfte der anthropogenen Methanemissionen stammt aus Landwirtschaft und Abfällen, der Rest aus der Energiewirtschaft. In der Praxis bedeutet das, dass Minderungen alle drei Bereiche betreffen sollten: die Dichtheit der Gasinfrastruktur, die Bewirtschaftung von Mist und Gülle sowie Deponien und Bioabfälle.
Wie es weitergeht
Der Gipfel COP27 dauert noch an; unabhängig von seinen Ergebnissen wird das Thema Methan in der EU und in den USA fortgesetzt. Für Polen werden die weiteren Etappen der Arbeiten an der EU-Methanverordnung sowie die Einführung von Mess- und Berichtssystemen im Energiesektor am wichtigsten sein.




