BiowasserstoffEreignis
Deutschland nimmt die Nationale Wasserstoffstrategie an: 5 GW Elektrolyseure bis 2030
Am 10. Juni 2020 billigte die Bundesregierung Deutschlands die Wasserstoffstrategie mit dem Ziel von 5 GW Elektrolyseleistung bis 2030 und einem Budget von 9 Mrd. Euro, davon 7 Mrd. im Inland.

Die deutsche Bundesregierung billigte am 10. Juni 2020 die Nationale Wasserstoffstrategie, deren zentrales Element der Aufbau von Elektrolyseurleistung zur Erzeugung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen ist. Die Strategie sieht bis zu 5 GW installierte Leistung bis 2030 und weitere 5 GW spätestens bis 2040 vor. Für ihre Umsetzung wurden 9 Mrd. Euro bereitgestellt.
Die wichtigsten Annahmen
Das Dokument weist Wasserstoff die Rolle eines Energieträgers für schwer zu elektrifizierende Sektoren zu: Schwerindustrie, Schwerlastverkehr und Luftfahrt. Die Hauptrichtung ist der sogenannte grüne Wasserstoff, also aus erneuerbarem Strom erzeugter. Andere Arten von Wasserstoff sollen eine Übergangsrolle spielen.
Die Finanzmittel wurden in zwei Teile aufgeteilt: 7 Mrd. Euro für die Entwicklung des Inlandsmarkts und der Technologien sowie 2 Mrd. Euro für internationale Partnerschaften, mit deren Hilfe Deutschland Wasserstoff aus Ländern mit großem Potenzial für erneuerbare Energien importieren will. Die Strategie sieht zudem die Förderung von Forschung und Pilotanlagen sowie Änderungen der Vorschriften vor, die den Bau von Elektrolyseuren und Infrastruktur erleichtern.
Was das für Biogas und Biowasserstoff bedeutet
Wasserstoff und Biogas konkurrieren in einem Teil der Anwendungen, ergänzen sich aber auch. Biomethan kann ein Energieträger im bestehenden Gasnetz sein, während Wasserstoff neue oder angepasste Anlagen erfordert. Aus Biogas lässt sich Wasserstoff durch Dampfreformierung mit CO₂-Abscheidung erzeugen, und künftig sind biologische Prozesse möglich, die als Biowasserstoff bezeichnet werden. In dieser Phase konzentrierte sich die deutsche Strategie jedoch auf die Elektrolyse.
Für polnische Unternehmen ist das Signal zweifach. Einerseits schafft Deutschland einen großen Absatzmarkt für Wasserstofftechnologien und potenziell für importierten Wasserstoff. Andererseits — wächst die Konkurrenz um Mittel und Kompetenzen, und Wasserstoff kann in manchen Anwendungen eine Alternative zu Biomethan sein.
EU-Kontext
Die Europäische Kommission kündigte an, Anfang Juli eine eigene Wasserstoffstrategie für die gesamte Union vorzustellen, daher wurde das deutsche Dokument auch als Signal für die Verhandlungen auf EU-Ebene aufgefasst.
Wie es weitergeht
Die Umsetzung hing vom Tempo des Ausbaus erneuerbarer Leistung, den Kosten der Elektrolyseure und Entscheidungen zur Übertragungsinfrastruktur ab. Die Nachbarländer, darunter Polen, bereiteten eigene strategische Dokumente vor.
Bedeutung für Mitteleuropa
Deutschland ist der größte Gasmarkt der Union und einer der größten Wasserstoffabnehmer in der chemischen Industrie und Stahlindustrie. Die deutschen Entscheidungen zur Durchleitung von Wasserstoff im bestehenden Gasnetz und zur Rolle des Imports werden die Pläne zum Ausbau der Infrastruktur in den Nachbarländern beeinflussen. Für polnische Netzbetreiber und Produzenten erneuerbarer Gase bedeutete dies die Notwendigkeit zu verfolgen, wie sich die Standards der Gasqualität und die Regeln des grenzüberschreitenden Handels ändern.
Elektrolyse und Biogas in der Praxis
Elektrolyseure benötigen große Mengen günstiger erneuerbarer Energie, und ihre Wirtschaftlichkeit hängt von der Zahl der Betriebsstunden im Jahr ab. Biogasanlagen erzeugen dagegen Gas kontinuierlich, unabhängig vom Wetter. Deshalb wird Biogas in Diskussionen über das Energiesystem mitunter als Quelle von Flexibilität genannt, die die schwankende Erzeugung aus Wind und Sonne ergänzt, und nicht unbedingt als Konkurrent des Wasserstoffs.




