Markt und InvestitionenErklärung
Herkunftsnachweise für Biomethan: wie sie funktionieren und wie man Doppelzählung vermeidet
Ein Herkunftsnachweis (HKN) bestätigt, dass 1 MWh Gas aus erneuerbaren Quellen stammt, und kann unabhängig vom physischen Gas übertragen werden. Wir erläutern die Regeln der RED II, Register, Gültigkeit und das Risiko der Doppelzählung.
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Ein Herkunftsnachweis (HKN, englisch Guarantee of Origin, GO) ist ein elektronisches Dokument, das bestätigt, dass eine bestimmte Energiemenge – in der Regel 1 MWh – aus erneuerbaren Quellen erzeugt wurde, auch aus Biogas und Biomethan. Seine einzige Aufgabe ist es, dem Endabnehmer den Anteil erneuerbarer Energie im verkauften Produkt nachzuweisen. Der HKN ist weder ein Nachhaltigkeitszertifikat noch ein Förderinstrument, aber er ist die Grundlage eines glaubwürdigen Handels mit „grünem Gas“, denn er trennt das Umweltattribut vom physischen Gas und erlaubt es, dieses gesondert zu verkaufen.
Rechtsgrundlagen
Die Vorschriften der Richtlinie RED II (Art. 19) verpflichten die Mitgliedstaaten, auf Verlangen des Erzeugers ein System von Herkunftsnachweisen für Energie aus erneuerbaren Quellen einzuführen. Das System umfasst die Ausstellung, Übertragung und Entwertung der Nachweise, Regeln zur gegenseitigen Anerkennung zwischen den Staaten sowie den Schutz vor Doppelzählung. Für erneuerbares Gas setzen nationale Register und ergänzende europäische Systeme diese Anforderungen um.
Lebenszyklus eines Nachweises
- Erzeugung: Die Anlage speist Biomethan in das Netz ein, und die Messung bestätigt die Energiemenge.
- Ausstellung: Auf Antrag des Erzeugers stellt die zuständige Behörde oder der Registerbetreiber den HKN in einer Menge aus, die der erzeugten Energie entspricht (1 MWh = 1 HKN).
- Übertragung: Der HKN kann unabhängig vom Gas verkauft werden. Der Erwerber erhält das Recht, den Verbrauch erneuerbarer Energie zu deklarieren.
- Entwertung: Bei der Deklaration des Verbrauchs wird der Nachweis entwertet, sodass er nicht erneut verwendet werden kann.
- Verfall: Ein nicht entwerteter Nachweis verliert nach dem in den Vorschriften bestimmten Zeitraum seine Gültigkeit (grundsätzlich 12 Monate ab der Erzeugung der Energie).
Was der HKN nicht leistet
- Er entscheidet nicht über die Nachhaltigkeit der Rohstoffe und die Minderung der THG-Emissionen – das ist Aufgabe der Zertifizierung (z. B. ISCC).
- Er ist kein Instrument der finanziellen Förderung (er ersetzt keine Tarife, Auktionen oder Prämien).
- Er garantiert nicht die physische Lieferung des Gases an einen bestimmten Abnehmer (Massenbilanz im Netz).
- Er dient nicht der Abrechnung von Verkehrszielen (dafür gibt es gesonderte Mechanismen), auch wenn er häufig ein ergänzender Nachweis ist.
Doppelzählung
Das größte Risiko ist eine Situation, in der dieselbe Energie an zwei Stellen verwendet wird: z. B. als Biomethan im Verkehr (zum Zweck der Emissionsminderung) und als erneuerbare Energie in der Wärmeversorgung auf Grundlage des HKN. Um dies zu vermeiden, werden angewendet:
- Register: ein HKN – ein Verbrauch.
- Trennung der Attribute: Wurde das grüne Attribut für einen Zweck genutzt (z. B. im Verkehr), werden für dieselbe Menge keine HKN ausgestellt oder sie werden gekennzeichnet.
- Gegenseitige Anerkennung und Datenbanken: In der EU entwickeln sich Systeme zum Informationsaustausch zwischen den Registern und Datenbanken für erneuerbare Kraftstoffe.
- Audit: Zertifizierungsstellen prüfen, ob die Energiemenge aus der Erklärung dem Volumen entspricht.
Berechnungsbeispiel
Annahmen: Eine Biomethananlage speist 36 GWh jährlich ein. Es werden 36.000 HKN ausgestellt. Der Erzeuger verkauft 24.000 HKN an einen Industriekunden, der sie im Register als Nachweis für den Verbrauch von 24 GWh grünen Gases entwertet. Die übrigen 12.000 HKN behält er oder verkauft sie an ein anderes Unternehmen. Würde er dieses restliche Volumen von 12 GWh gleichzeitig als Biomethan für Kraftstoff im Verkehr mit Nachhaltigkeitsdokumentation verkaufen, muss er sicherstellen, dass für dieses Volumen keine HKN ausgestellt oder diese entsprechend gekennzeichnet wurden. Andernfalls würden 12 GWh doppelt gezählt.
Wie der HKN den Erlös beeinflusst
Der Preis des HKN hängt von Nachfrage und Qualität ab (Herkunftsland, Art des Rohstoffs, Produktionsjahr). Er ist ein Bestandteil der Prämie für grünes Gas. In einem PPA lohnt es sich festzulegen, wer Eigentümer des HKN ist und innerhalb welcher Frist der Erzeuger ihn überträgt. Eine Regelung zum Verbot des „Doppelverkaufs“ schützt beide Parteien.
Praktische Hinweise für den Erzeuger
Registrieren Sie die Anlage im entsprechenden Register noch vor der Inbetriebnahme, damit schon die ersten Volumina von Nachweisen erfasst werden können. Halten Sie die Messdaten konsistent: Das Volumen vom Gaszähler, der Brennwert vom Chromatografen und die Daten aus dem Register sollten übereinstimmen. Sorgen Sie dafür, dass die Gasverkaufsverträge klar regeln, ob HKN Gegenstand des Verkaufs sind oder beim Erzeuger bleiben und in welcher Frist sie übertragen werden. Prüfen Sie beim internationalen Verkauf, ob die Register miteinander verbunden sind und ob der Käufer den HKN des jeweiligen Landes anerkennt.
Zusammenfassung
Herkunftsnachweise sind ein einfaches Instrument, das den Handel mit grünem Gas ermöglicht und Abnehmern Informationen liefert. Damit sie glaubwürdig funktionieren, sind Register, Kontrolle und klare Regeln zur Verbindung des HKN mit anderen Instrumenten erforderlich.





