Emissionen und KlimaEreignis
Einigung zum CBAM: Düngemittel, Stahl, Zement und Wasserstoff unterliegen einer Kohlenstoffabgabe an der Grenze
Am 13. Dezember 2022 erzielten Parlament und Rat der EU eine vorläufige Einigung über den CBAM. Die Übergangsphase soll am 1. Oktober 2023 beginnen, das vollständige System — ab 2026. Düngemittel sind im Anwendungsbereich.

Die Verhandlungsführer des Europäischen Parlaments und des Rates der EU haben am 13. Dezember 2022 vorläufig eine Einigung über den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus der EU (CBAM) erzielt. Der Mechanismus soll die Emissionskosten bei Importen und bei der EU-Produktion angleichen. Der Anwendungsbereich umfasst u. a. Zement, Stahl, Aluminium, Düngemittel, Strom und Wasserstoff. Die Übergangsphase, in der Importeure lediglich Emissionen melden werden, soll am 1. Oktober 2023 beginnen, die Zahlungen – ab 2026.
Was sich ändert
Der CBAM soll vor der sog. Verlagerung von Emissionen schützen: einer Situation, in der die Produktion in Länder mit weniger strengen Klimavorgaben abwandert. Importeure von Waren, die unter den Mechanismus fallen, werden CBAM-Zertifikate kaufen müssen, die den in der Ware eingebetteten Emissionen entsprechen, nach dem EU-Zertifikatspreis des ETS. Parallel werden die kostenlosen Zertifikate für die heimische Industrie schrittweise auslaufen. Die Übergangsphase soll die Einführung des Berichtssystems ermöglichen.
Für die Agrar- und Ernährungswirtschaft ist der Anwendungsbereich mit Düngemitteln entscheidend, insbesondere mit Stickstoffdüngern, die unter hohem Erdgasverbrauch hergestellt werden. Das bedeutet, dass der Import von Düngemitteln aus Ländern ohne Emissionsabgaben teurer wird.
Bedeutung für die Branche in Polen
Polen ist ein wichtiger Markt für Stickstoffdünger und ein Hersteller dieser Mittel, und die Landwirte reagieren empfindlich auf deren Preise. Der CBAM führt mittelfristig einen weiteren Faktor für steigende Preise von Mineraldüngern ein. Für Biogasanlagen bedeutet das potenziell eine höhere Attraktivität des Gärrests als organischer Dünger, der Stickstoff, Phosphor und Kalium sowie organische Substanz enthält.
Zu beachten sind die Grenzen: Gärrest wird Mineraldünger nicht in allen Anwendungen ersetzen, und seine Nutzung erfordert Logistik, Lager und die Einhaltung der Nitratvorschriften. Dennoch steigern die steigenden Düngemittelpreise und die Klimaanforderungen das Interesse an organischen und aus Abfällen hergestellten Düngern.
Worauf in der Praxis zu achten ist
Die Übergangsphase bedeutet eine Berichtspflicht, aber noch keine Zahlungen. Importeure werden Daten über die in Düngemitteln eingebetteten Emissionen erheben müssen, was die Transparenz des Marktes erhöht. Landwirte sollten damit rechnen, dass die Düngemittelpreise auch von den Emissionskosten bestimmt werden. Für Biogasanlagen, die Gärrest verkaufen, ist es wichtig, seine Zusammensetzung und sein Düngepotenzial zu dokumentieren, um Abnehmer zu gewinnen, die die Kosten mit mineralischen Alternativen vergleichen.
Was ist mit Gas als Rohstoff für Düngemittel
Die Herstellung von Ammoniak, aus dem Stickstoffdünger entstehen, verbraucht große Mengen Erdgas. Gaspreise und Emissionszertifikatspreise beeinflussen daher unmittelbar die Düngemittelkosten. Der CBAM gleicht diese Kosten auch für Importe an. Der Einsatz von Biomethan als Rohstoff bei der Ammoniakherstellung ist technisch möglich, bleibt vorerst aber Gegenstand von Pilotprojekten und keine verbreitete Praxis.
Wie es weitergeht
Die Einigung bedarf der förmlichen Billigung durch Parlament und Rat, die 2023 erfolgen soll. Importeure und Düngemittelhersteller bereiten Systeme zur Emissionsberichterstattung vor. Für Landwirte und Gärresterzeuger ist es wichtig, die Düngemittelpreise sowie Programme zur Förderung der organischen Düngung und der Kreislaufwirtschaft zu verfolgen.





