BiogasAnalyse
Indonesien: Biogas aus POME — großes Potenzial, aber jahrelang wenige Kraftwerke. Daten aus den Jahren 2014–2018
Indonesien hat Hunderte Palmölmühlen, doch in den Jahren 2014–2018 wurde Biogas aus POME nur in geringem Umfang genutzt. Welche Hemmnisse gab es: Tarife, Netzanschlüsse, Erfahrung mit PLN-Verträgen und Finanzierung?

Indonesien ist der weltweit größte Palmölproduzent, und seine Mühlen erzeugen riesige Mengen an POME-Abwasser (palm oil mill effluent), das nach anaerober Vergärung Biogas liefert. Dennoch wurde Biogas aus POME in den Jahren 2014–2018 nur in geringem Umfang genutzt. Der Beitrag stützt sich auf Daten aus den Jahren 2014–2018 und beschreibt die Lage in diesem Zeitraum; er stellt nicht den aktuellen Stand des Marktes dar.
Potenzial: Daten aus den Jahren 2016 und 2018
Laut einem Kommentar der Jakarta Post vom 27. Januar 2016 könnte Biogas aus dem Abwasser von 850 Palmölmühlen im Land 1100 MW elektrische Leistung liefern; diese Schätzungen stellte Rida Mulyana vor, Generaldirektor für erneuerbare Energien und Energieeinsparung. Derselbe Kommentar beschrieb ausgedehnte Abwasserlagunen, aus denen eine „riesige Menge“ Methan freigesetzt wird, und stellte fest, dass davon nur ein kleiner Teil erfasst wird. Ein Kommentar vom 29. Januar 2018 sprach von ca. 950 Mühlen, deren Abwasser größtenteils vergeudet oder verbrannt wird, und führte eine Schätzung des Ministeriums an, wonach Biogas aus diesen Abfällen über 1000 MW liefern könnte. Der Unterschied zwischen 850 und 950 Mühlen beruht auf zwei gesonderten Schätzungen und nicht auf einer Messung; wir entscheiden nicht, welche genauer ist.
Erste Projekte
Das erste Biogaskraftwerk vom Typ IPP (unabhängiger Stromerzeuger) mit Stromabnahmevertrag in Indonesien war laut der Seite des ESDM das Kraftwerk AANE Jangkang auf der Insel Belitung mit einer Leistung von 1,2 MW, gespeist mit POME. Die Eröffnungsfeier fand am 11. Januar 2014 im Beisein von Vertretern des Ministeriums, der Behörden der Region Ost-Belitung, der PLN und der Gesellschaft PT Austindo Aufwind New Energy statt. Der PPA-Vertrag wurde auf Grundlage der Verordnung des Energieministers Nr. 4 von 2012 geschlossen. Das ist ein wichtiger Präzedenzfall, da er zeigt, dass das IPP-Modell für Biogas aus POME im bestehenden Rechtsrahmen möglich war.
Der Kommentar von 2016 beschrieb ein weiteres Ereignis: die Eröffnung des fünften solchen Kraftwerks in Riau, das der Gruppe Asian Agri gehört. Laut diesem Text dienten kleine POME-Anlagen, meist mit einer Leistung von ca. 1 MW, bisher hauptsächlich der Versorgung von Haushalten rund um die Mühlen, und Asian Agri plante, an seinen Mühlen auf Sumatra 15 weitere Kraftwerke mit je 1 MW zu bauen. Der Kommentar von 2018 erwähnte ein Kraftwerk in der Provinz Jambi, in dem POME zu Biogas für die Energieerzeugung verarbeitet wird.
Regulierung
Laut dem Kommentar vom 27. Januar 2016 kündigte Mulyana am 23. Januar Arbeiten an einer Vorschrift an, die alle Palmölunternehmen verpflichten soll, POME zur Biogaserzeugung für Energiezwecke zu nutzen. Die Zeitung schrieb auch, die Regierung habe soeben eine Verordnung erlassen, die Tarife für überschüssige Energie aus Kraftwerken auf Basis von Biogas aus POME festlegt, was eine Abnahmepflicht für diese Energie durch die PLN bedeutet. In unseren Quellen gibt es keine konkreten Tarifsätze aus jener Zeit, daher nennen wir sie nicht; wir haben auch nicht geprüft, ob die angekündigte Pflicht letztlich eingeführt wurde.
Warum so langsam
Der Kommentar von 2016 nannte zwei Hindernisse. Erstens hatten die Palmölunternehmen keine Erfahrung im Verkauf von Energie an die PLN im Rahmen einer garantierten Vergütung. Zweitens binden Investitionen in Kraftwerke begrenzte Investitionsmittel der Unternehmen. Die Autoren forderten, dass die Regierung Partnerschaften zwischen Palmölunternehmen, Energieunternehmen und der PLN erleichtert, die es ermöglichen würden, die Steuerung der Investition auf spezialisierte Partner zu übertragen. Zudem wies der Kommentar darauf hin, dass die Mühlen in der Nähe von Plantagen und Haushalten liegen, die nicht an das PLN-Netz angeschlossen sind, was Biogas aus POME zu einem guten Kandidaten für die Energieversorgung ländlicher Gebiete macht.
Klimabedeutung
Offene Lagunen sind eine Methanquelle, und Indonesien und Malaysia sind die beiden größten Palmölproduzenten der Welt. Für Importeure ist wichtig, ob das Öl aus Mühlen mit Biogaserfassung stammt. Die Autoren des Kommentars von 2016 fügten hinzu, eine größere Energieerzeugung aus POME würde helfen, das Image der Branche zu verbessern, die mit Entwaldung in Verbindung gebracht wird.
Was wir nicht wissen
In unseren Quellen aus den Jahren 2014–2018 fehlen Daten zur Zahl der in Betrieb befindlichen Anlagen, zu den Tarifsätzen sowie zur Umsetzung der regulatorischen Ankündigungen. Wir haben auch Zahlen aus anderen Untersuchungen weggelassen, deren Methodik wir nicht überprüfen konnten (u. a. Schätzungen zum Anteil der Mühlen mit Biogas und zur installierten Leistung). Dieser Beitrag beschreibt also die Hemmnisse und nicht den Stand des Marktes.
Schlussfolgerungen
Die indonesischen Erfahrungen aus den Jahren 2014–2018 zeigen, dass die Technologie nicht die Haupteinschränkung war: Entscheidend waren die wirtschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen — Abnahmesicherheit, Tarif, Netzzugang und Erfahrung mit Verträgen mit dem Betreiber. Das ist eine Lehre, die für die meisten Biogasmärkte gilt.
Was das für Polen und Europa bedeutet
Auch wenn POME in Europa nicht vorkommt, sind die indonesischen Erfahrungen für jede Biogaspolitik wertvoll: Wenn die Abnahme von Energie oder Gas unsicher und der Anschluss schwierig ist, bleibt das Potenzial ungenutzt. Für Importeure von Ölen und erneuerbaren Kraftstoffen bedeutet das die Notwendigkeit, Erklärungen zur Methanerfassung zu überprüfen.
Quellen
- The Jakarta Post — Editorial: Harnessing palm oil waste (27.01.2016)
- The Jakarta Post — Editorial: Powering renewable energy (29.01.2018)
- Ministerstwo Energii i Zasobów Mineralnych (ESDM) — Peresmian PLT Biogas Aane Jangkang Belitung
- Wageningen — Development of Biogas from POME: policy brief (Nugroho i in.)





