BiogasErklärung
Malaysia: Abwasser aus Palmölmühlen (POME) als Quelle für Biogas und Methan. Anforderung an neue Mühlen
Palmölmühlen erzeugen POME-Abwasser mit hohem organischem Gehalt. Seit 2014 müssen neue und erweiterte Mühlen in Malaysia über Anlagen zur Biogaserfassung oder Methanvermeidung verfügen.

Palmölmühlen in Malaysia erzeugen riesige Mengen an Prozessabwasser — POME (palm oil mill effluent) —, das nach anaerober Vergärung Biogas mit hohem Methangehalt liefert. In offenen Lagunen entweicht dieses Gas in die Atmosphäre, was POME zu einer bedeutenden punktuellen Methanquelle im Agrar- und Ernährungssektor des Landes macht. Laut Angaben aus dem Jahr 2014 verlangt der Malaysische Palmölrat (MPOB) von neuen Mühlen eine Biogaserfassung oder Methanvermeidung, doch die Umsetzung war mitunter schwierig.
Ausmaß des Problems
Laut einer vom MPOB am 31. Dezember 2020 veröffentlichten Studie kann der Palmölsektor jährlich ca. 65 Mio. t POME erzeugen, bei einem Massenverhältnis von POME zu frischen Fruchtständen von 0,67:1. Im Jahr 2019 wurden in 452 Mühlen 98,28 Mio. t frische Fruchtstände verarbeitet und dabei 19,86 Mio. t Rohpalmöl gewonnen (etwa ein Fünftel der Masse der Fruchtstände). Das bei der POME-Vergärung entstehende Biogas enthält laut dieser Studie ca. 65% Methan. Wird das Gas erfasst, wird es zu einer erneuerbaren Energiequelle; in offenen Lagunen geht es verloren. Kontrollrechnung: 98,28 Mio. t Fruchtstände multipliziert mit 0,67 ergeben ca. 65,8 Mio. t POME, also einen Wert, der mit der in der Studie genannten Schätzung von ca. 65 Mio. t pro Jahr übereinstimmt. Das bedeutet, dass auf jede Tonne verarbeiteter Fruchtstände etwa 0,67 t Abwasser entfallen, das behandelt werden muss.
Woher POME stammt
Das Abwasser entsteht bei der Verarbeitung der Fruchtstände, u. a. bei der Sterilisation der Früchte und der Klärung des Öls. Es enthält organische Stoffe mit hoher Fracht und ist daher ein gutes Substrat für methanogene Bakterien (Methanogene). Das ist der Grund, weshalb herkömmliche anaerobe Lagunen Methan erzeugen, während abgedeckte Lagunen oder Reaktoren es erfassen können.
Regulatorische Anforderung
Laut dem Bericht von Eco-Business vom 6. November 2014 verlangt die MPOB „die verpflichtende Installation von Anlagen zur Biogaserfassung oder Methanvermeidung“ beim Bau neuer Mühlen sowie bei der Erhöhung des Durchsatzes bestehender Mühlen. Der Verband der Palmölproduzenten aus Sarawak (SOPPOA) schätzte damals, dass 67 Mühlen in diesem Bundesstaat Aufwendungen von insgesamt über 600 Mio. RM tragen müssten, ohne eine klare Möglichkeit, sie zurückzugewinnen. Er verwies zudem auf das Fehlen eines Stromnetzes, das die Energie aus den Mühlen aufnehmen könnte, sowie auf Schwierigkeiten bei der Festlegung einer Einspeisevergütung angesichts der niedrigen Stromerzeugungskosten des Betreibers in Sarawak. Die SOPPOA bat darum, die Umsetzung der Anforderung in Sarawak bis 2025 aufzuschieben, nach einer früheren Bitte um weitere fünf Jahre.
Was nach der Erfassung mit dem Gas geschieht
Biogas aus POME kann abgefackelt, in Kesseln genutzt, in Motoren zur Stromerzeugung in der Mühle eingesetzt oder ins Netz verkauft werden. Die Wirtschaftlichkeit hängt von der Verfügbarkeit eines Netzanschlusses und von der Einspeisevergütung ab. Das Beispiel Sarawak aus dem Jahr 2014 zeigt, dass die Entfernung zum Netz und niedrige Energiepreise über die Machbarkeit von Umweltvorschriften entscheiden können.
Klimabedeutung
Die Methanerfassung aus Lagunen ist eine der Möglichkeiten zur Emissionsminderung im Palmölsektor, da die Quelle punktuell und klar definiert ist. Der Nutzen hängt jedoch davon ab, ob das Gas verbrannt oder genutzt und nicht nur gesammelt und freigesetzt wird. Für Importeure und Regulierungsbehörden, die die Emissionen von Palmöl in der Lieferkette bewerten, kommt es daher nicht auf die bloße Erklärung der Erfassung an, sondern auf deren Dokumentation.
Wie man die Zahlen liest
Die Angaben zur Zahl der Mühlen und Erfassungsanlagen unterscheiden sich je nach Quelle und Jahr. Die MPOB nannte für 2019 die Zahl von 452 Mühlen. Die Zusammenstellungen zur Biogaserfassung stammen aus verschiedenen Veröffentlichungen und beziehen sich auf unterschiedliche Jahre (spätere Daten – im Aktualisierungshinweis), weshalb sie nicht als einheitliche Datenreihe behandelt werden sollten. Bei Vergleichen ist darauf zu achten, ob von der Zahl der Mühlen mit Erfassungssystem, von der installierten Leistung oder vom tatsächlich genutzten Gas die Rede ist.
Was das für Polen und Europa bedeutet
Die malaysische Erfahrung zeigt zwei Dinge, die auch für die Biogaspolitik in der EU wichtig sind: dass eine Pflicht zur Methanerfassung aus Industrieabfällen mitunter nur dann umsetzbar ist, wenn zugleich die Möglichkeit besteht, Energie oder Gas zu verkaufen, sowie dass Daten zum Umsetzungsstand den Primärveröffentlichungen und nicht Branchenmeldungen entnommen werden müssen. Für Importeure von Kraftstoffen und Rohstoffen aus Asien bedeutet das die Notwendigkeit, Erklärungen zur Methanerfassung in den Zertifizierungssystemen zu überprüfen.
Quellen
- MPOB — The future of biogas in the Malaysian palm oil industry: why need methane capture? (31.12.2020)
- Eco-Business — Palm oil mills' biogas capture implementation in Sarawak a major challenge: SOPPOA (6.11.2014)
- Journal of Oil Palm Research — Renewable energy and greenhouse gases emission reduction potential of biogas from POME (2024)
- The Edge Malaysia — How Malaysia's palm oil industry is cultivating a greener tomorrow (treść brandowana, 2025)





