Recht und RegulierungErklärung
ETS und Biogasanlagen: Müssen CO₂-Emissionszertifikate gekauft werden
Eine typische Biogasanlage unterliegt nicht dem EU ETS: Das System erfasst Feuerungsanlagen mit einer thermischen Leistung über 20 MW. Wir erläutern die Regeln, die Rolle der Biomasse und den mittelbaren Einfluss der Zertifikatspreise.
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Eine typische Biogasanlage kauft keine CO₂-Emissionszertifikate: Das EU-ETS-System erfasst Feuerungsanlagen für Brennstoffe mit einer gesamten thermischen Nennleistung über 20 MW, und die landwirtschaftliche Kraft-Wärme-Kopplung auf Biogas liegt um ein Vielfaches darunter. Außerdem werden Emissionen aus Biomasse und Biogas, die die Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, im ETS als null behandelt. Biogasanlagen spüren das ETS hauptsächlich mittelbar – bei den Energiepreisen.
Wen das EU ETS erfasst
Die Richtlinie 2003/87/EG umfasst die Liste der Tätigkeiten aus Anhang I. Für die Energiewirtschaft ist die Verbrennung von Brennstoffen in Anlagen mit einer gesamten thermischen Nennleistung (im Brennstoff) über 20 MW maßgeblich. Die Leistungen einzelner Einheiten in einer Anlage werden addiert – mehrere Motoren auf einem Gelände zählen zusammen. Von diesem Bereich ausgenommen sind Anlagen zur Verbrennung gefährlicher und Siedlungsabfälle, für die gesonderte Regeln gelten. Der Betreiber einer vom System erfassten Anlage muss eine Emissionsgenehmigung und einen Überwachungsplan haben, verifizierte Emissionen berichten und für jede Tonne CO₂ Zertifikate abgeben. In Polen nimmt die Aufgaben im Zusammenhang mit dem ETS u. a. das KOBiZE auf Grundlage des Gesetzes vom 12. Juni 2015 über das System für den Handel mit Treibhausgasemissionszertifikaten wahr.
Größenordnung. Ein Kraft-Wärme-Kopplungs-Motor mit 1 MW elektrischer Leistung nimmt bei einem elektrischen Wirkungsgrad von ca. 40% im Brennstoff ca. 2,5 MW auf. Bis zur Schwelle von 20 MW fehlt also etwa das Achtfache – das ist eine Veranschaulichung, keine Regel, denn maßgeblich ist die thermische Nennleistung im Brennstoff.
Warum Biomasse und Biogas emissionsfrei sind
Im ETS erfordern CO₂-Emissionen aus Biomasse, die die Kriterien der Nachhaltigkeit und der Treibhausgasminderung erfüllt, keine Abgabe von Zertifikaten – nach der Durchführungsverordnung (EU) 2018/2066 der Kommission über Überwachung und Berichterstattung wird dann ein Nullemissionsfaktor angewandt (die Einzelbedingungen, auch für kleinere Anlagen, enthalten diese Verordnung und die Leitlinien der Kommission). Die Kriterien stammen aus der Richtlinie RED II: Für Biogas gelten sie in Anlagen mit einer gesamten thermischen Nennleistung ab 2 MW, für feste Brennstoffe aus Biomasse ab 20 MW.
Wo das ETS Biogasanlagen dennoch betreffen kann
- Große Energiekomplexe mit vielen Einheiten, in denen Biogas einer der Brennstoffe ist: Über die Erfassung entscheidet die Summe der Leistungen aller Feuerungseinheiten.
- Verbrennung von Biogas neben fossilen Brennstoffen in derselben Anlage oberhalb der Schwelle: Ein Teil der Emissionen aus fossilen Brennstoffen wird abgerechnet.
- Eigenes Heizwerk oder Kraft-Wärme-Kopplung mit Erdgasbetrieb auf dem Gelände eines Verarbeitungsbetriebs – über die Erfassung entscheidet die Gesamtleistung.
Mittelbarer Einfluss
| Kanal | Wirkung auf die Biogasanlage |
|---|---|
| Strompreise | Die Kosten der Zertifikate fließen in die Großhandelspreise ein, was in der Regel die Preise erhöht, zu denen Energie und Wärme verkauft werden |
| Preise für Erdgas und Fernwärme | höhere Kosten fossiler Brennstoffe verbessern die Wettbewerbsfähigkeit von Biogas und Biomethan |
| Preise für Düngemittel und Transport | Die Emissionskosten können sich auf die Lieferkette übertragen |
Wie stark dieser Einfluss ist, hängt vom Markt und von den Verträgen ab; er wird in keiner Vorschrift vorausgesetzt.
ETS2 – ein gesondertes System ab 2027
Die Richtlinie (EU) 2023/959 von 2023 führt das ETS2 ein: ein System für in Gebäuden, im Straßenverkehr und in zusätzlichen Sektoren verbrauchte Brennstoffe, in dem die Rechtsträger reguliert werden, die Brennstoffe in Verkehr bringen. Die Überwachung soll früher beginnen und die Zahlungen für Emissionen ab 2027. Für Biogasanlagen wird das ETS2 mittelbar von Bedeutung sein: über die Preise für Erdgas und Kraftstoffe, nicht als Pflicht des Erzeugers.
Was zuerst zu tun ist
- Addieren Sie die thermische Nennleistung aller Feuerungseinheiten auf einem Gelände.
- Liegen Sie unter 20 MW – halten Sie die Begründung fest und beobachten Sie Änderungen (Erweiterung, Hinzufügen von Kesseln).
- Sorgen Sie für die Nachhaltigkeitsdokumentation von Biomasse und Biogas, wenn die Anlage mindestens 2 MW thermische Leistung hat.
- Prüfen Sie bei der Planung einer Erweiterung die Schwelle erneut vor der Investitionsentscheidung.
Drei Dinge, die oft verwechselt werden
- Das ETS ist keine Steuer für jeden Emittenten. Es erfasst ausgewählte Tätigkeiten aus Anhang I oberhalb der Schwellen, nicht alle, die Brennstoff verbrennen.
- Der Nullemissionsfaktor für Biomasse bedeutet nicht, dass es in einer vom System erfassten Anlage keine Pflichten gibt. Der Betreiber berichtet weiterhin verifizierte Emissionen und gibt Zertifikate für Emissionen ab, die nicht null sind.
- CO₂ aus der Aufbereitung von Biogas zu Biomethan stammt aus Biomasse. Seine Behandlung hängt von den Vorschriften über die Emissionsüberwachung ab, und die Aufbereitungsanlage selbst ist keine Tätigkeit aus Anhang I.
Woher die Mittel aus den Zertifikaten in polnische Projekte fließen
Ein Teil der Einnahmen aus dem Verkauf von Zertifikaten speist den Modernisierungsfonds, aus dem u. a. Investitionen von Netzbetreibern mitfinanziert werden können. Für den Eigentümer einer Biogasanlage ist das ein mittelbarer Kanal: Er profitiert von einem besser ausgebauten Netz, aber dahinter steht keine Pflicht des Erzeugers.
Wenn die Berechnungen nicht offensichtlich sind
- Viele Einheiten auf einem Gelände. Die Leistung von Motoren, Kesseln und anderen Feuerungseinheiten wird addiert.
- Gasheizwerk zur Unterstützung der Biogasanlage. Läuft der Trockner oder das Heizwerk mit Erdgas, geht seine Leistung in die Summe ein.
- Brennstoffwechsel. Der Wechsel von Biogas auf Erdgas in Störungszeiten kann die Einstufung der Emissionen ändern.
- Nennleistung und tatsächliche Leistung. Maßgeblich ist die Nennleistung im Brennstoff, nicht die mittlere Auslastung.
Dieser Text dient der Information und stellt keine Rechtsberatung dar; prüfen Sie vor einer Investitionsentscheidung oder einem formellen Schritt den aktuellen Wortlaut der Vorschriften und wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt oder die zuständige Behörde.
Quellen
Fragen und Antworten
Muss ein Heizkraftwerk auf Biogasbasis CO₂-Emissionszertifikate kaufen?
Nur dann, wenn die gesamte Feuerungswärmeleistung in der Anlage 20 MW überschreitet. Unterhalb der Schwelle besteht die Pflicht nicht, und Emissionen aus Biogas, das die Nachhaltigkeitskriterien erfüllt, werden im ETS als emissionsfrei behandelt.





