Energie aus AbfällenEreignis
EU einigt sich auf Rahmen für die Zertifizierung der Kohlenstoffentnahme. Unter den Technologien auch BECCS
Am 20. Februar 2024 haben sich Rat und Europäisches Parlament auf einen freiwilligen Rahmen für die Zertifizierung der Kohlendioxidentnahme geeinigt. Die Branche der thermischen Abfallbehandlung sah darin die Chance auf beachtenswerte „negative Emissionen“.
Weitere Sprachversionen: Polski, English, Español, Français, Italiano, Nederlands.

Der Rat und das Europäische Parlament haben sich am 20. Februar 2024 vorläufig auf einen freiwilligen EU-Rahmen für die Zertifizierung der Kohlendioxidentnahme geeinigt. Für den Abfall- und Biogassektor bedeutet das eine mögliche Einnahmequelle aus „negativen Emissionen“, jedoch nur für den Teil des CO₂, der biogenen Ursprungs ist.
Was vereinbart wurde
Der Rahmen soll die Zertifizierungsregeln für drei Gruppen von Maßnahmen vereinheitlichen: die dauerhafte Entnahme von Kohlenstoff aus der Atmosphäre (z. B. BECCS, also Bioenergie mit CO₂-Abscheidung und -Speicherung, sowie DACCS), die Kohlenstoffspeicherung in der Landwirtschaft (Carbon Farming) und die Kohlenstoffspeicherung in langlebigen Produkten. Die Zertifizierung ist freiwillig und beruht auf vier Kriterien: Quantifizierung, Zusätzlichkeit, langfristige Speicherung und Nachhaltigkeit.
Das deutsche Wirtschaftsministerium betonte, dass der Rahmen keine CCS-Anlagen betrifft, die fossile Emissionen aus Industrieprozessen abscheiden – dies gilt als Emissionsminderung und nicht als Entnahme. Die Einigung bedarf noch der förmlichen Billigung durch die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament.
Warum Abfälle?
Der europäische Verband ESWET (der Anlagen zur thermischen Abfallbehandlung) begrüßte die Einigung und wies darauf hin, dass ein schwer zu dekarbonisierender Sektor dank BECCS negative Emissionen erreichen könne. Dennoch ist Vorsicht geboten: Siedlungsabfälle enthalten sowohl biogenen Kohlenstoff (z. B. Papier, Speisereste, Holz) als auch fossilen (Kunststoffe). Nur der biogene Anteil kann als Entnahme angerechnet werden; der Rest ist eine Emissionsminderung. Die Bewertung, wie viele Zertifikatseinheiten auf eine Anlage entfallen, hängt von der Zusammensetzung der Abfälle und den Überwachungsmethoden ab.
Bedeutung für die Branche in Polen
Polen baut ein Netz von Anlagen zur thermischen Behandlung von Siedlungsabfällen (ITPOK) aus, und die steigenden Preise für Zertifikate im EU-ETS sowie die Aussicht, Abfälle in das Emissionshandelssystem einzubeziehen, führen dazu, dass die Frage der CO₂-Abscheidung nicht mehr theoretisch ist. Eine ähnliche Logik gilt für Biogasanlagen: Das bei der Aufbereitung von Biogas zu Biomethan abgetrennte CO₂ ist grundsätzlich biogen (sofern die Substrate keinen fossilen Kohlenstoff enthalten) und kann Gegenstand von BECCS-Projekten oder der Nutzung in Produkten sein. Gärrest, der auf Feldern ausgebracht wird, fällt wiederum in den Bereich des „Carbon Farming“, was künftig eine Diskussion über eine Zertifizierung auch für Kompost und Gärrest eröffnen könnte.
Wie es weitergeht
Nach der förmlichen Annahme der Verordnung soll die Kommission die Zertifizierungsmethoden in delegierten Rechtsakten ausarbeiten. Von deren Inhalt hängt ab, ob der Rahmen ein echter Anreiz für Abfall- und Biogasanlagen wird oder eine bloße Absichtserklärung bleibt. Die weiteren Rechtsakte sind im Amtsblatt der EU zu verfolgen.
Was noch nicht entschieden ist
Die Einigung legt den Rahmen fest, nicht aber die Methoden für einzelne Technologien. Für Biogasanlagen und Abfallanlagen werden detaillierte Berechnungsregeln entscheidend sein: wie biogener und fossiler Kohlenstoff getrennt werden, wie die Emissionen über den gesamten Lebenszyklus zu berücksichtigen sind und wie die Dauerhaftigkeit der Speicherung zu überprüfen ist. Bis zur Annahme der delegierten Rechtsakte sollten Investoren Erlöse aus Zertifikaten nicht als sicher in das Finanzmodell einrechnen.
Quellen
- Carbon removals and carbon farming — Komisja Europejska
- Climate action: Council and Parliament agree to establish an EU carbon removals certification framework — Rada UE (20.02.2024)
- Agreement reached on EU-wide certification framework for carbon removal — BMWK
- Europe agrees voluntary framework for carbon removals — gasworld





